Theaterstück von Bodo Kirchhoff

„Genau dies ist nämlich die Kunst des klassischen Striptease: ein Sich-unbeobachtet-Glauben glaubhaft zu machen.“

Der Ansager betritt die Bühne und kündigt den „letzten klassischen Striptease auf deutschem Boden“ an: am Ende von Andreas Nummer, wenn sie/ er nur noch ein kleines rotes Bändchen trägt, werde die unwiderrufliche Aufforderung an das Publikum ergehen, sich dieses letzte Bändchen als entfernt vorzustellen.

 

Aber Andrea(s) erscheint nicht. So ist der Ansager gezwungen, weiter zu reden: über das Verhältnis zu Andreas Mutter – früher selbst eine der Großen ihres Fachs -, über die Erotik der Sprache („Ohne ein Wort wie Haut wäre ich aufgeschmissen“), über seinen und anderer Leute Körper und natürlich über sich und Andrea(s).

Der „Diener einer Dienerin“ (wie es Andreas Mutter gern ausdrückt) versucht trotz der widrigen Umstände, die Wünsche des Publikums zu befriedigen und dabei die Würde – die des Striptease wie auch seine eigene -  zu bewahren. Er verheddert sich zusehends in seinen sprachlichen Verrenkungen und gibt dabei mehr und mehr von sich preis...

Dieser – bei aller Ernsthaftigkeit des Themas – sehr komische Monolog ist ein weiterer Versuch Kirchhoffs, das Unbeschreibliche in Worte zu fassen, der Sprache der Erotik auf die Spur zu kommen. Natürlich findet ein lustvolles Spiel mit den Erwartungen der ZuschauerInnen statt. Er beschreibt aber auch die Selbst-Reflexion eines Menschen, der von der Lust anderer lebt und in dieser Welt der Körper seinen Platz behaupten muss.

Regie - Goesta Struve-Dencher
Schauspiel - Ingo Behne
Dramaturgie - Edith Winner

Mehr über das Theater Tusdoch unter www.tusdoch.net


Aufführungstermin
Freitag -  03. Dezember 2010 um 20:00 Uhr

Die Fotos sind von Goesta Struve-Dencher nach einem Bild von M.J.Ranum (mjranum-stock.deviantart.com)