Philosophisch-schlüpfrige Betrachtungen eines Verwaltungsbeamten in Lyrik und Prosa - GASTSPIEL

„Die Dinge des Lebens“…ohne Zweifel ein weites Feld, auf dem es sich ausschweifend und trefflich philosophieren lässt. Als Aufbereiter und Erforscher kommen da vor allem hoch gestellte Analytiker aus Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, Philosophie und Religion sowie Persönlichkeiten vieler anderer professoral besetzter Tummelplätze in Betracht.

 

 

Wenn dann ausgerechnet ein auf Ärmelschonung bedachter, mittelrangiger Verwaltungsbeamter den letzten Schluss der Weisheit zu ziehen glaubt, klingt das ziemlich harmlos. Dabei ist der eben jenes weite Feld beackernde Amtsinspektor Ackermann mit seinem verklemmten Hang zur ungehemmten („Liebes“-) Lyrik unerbittlich. Nicht nur im Umgang mit anderen, sondern auch und vor allem mit sich selbst. So unerbittlich, dass man auch sagen könnte: Das Grauen hat einen Namen. Aber zum Glück befindet es sich in einem - imaginären – Käfig. Und so kann der Zuschauer einigermaßen entspannt verfolgen, wie allgegenwärtig und lebendig (oder auch unlebendig) die Spezies „Verwaltungsbeamter“ auch heute noch ist. In einer Zeit, in der sich viele Ämter und Behörden nur allzu gern mit dem Etikett „Modernes Dienstleistungsunternehmen“ schmücken.

Sich selbst als Dichterfürst begreifend legt Amtsinspektor Ackermann in seinem urkomischen Monolog auf geradezu bemitleidenswerte Art und Weise die doch erheblichen Unterschiede zwischen normalsterblichen Menschen und altklassischen Berufsbeamten offen. Denn dieser personifizierte Amtsschimmel hält es trotz seiner durchaus humanistischen Gesinnung weniger mit dem kategorischen Imperativ des Immanuel Kant. Dem unverwüstlichen Vollblut-Staatsdiener ist als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung vielmehr der verheißungsvolle § 35 des Verwaltungsverfahrensgesetzes ans stempelkissenweiche Herz gewachsen: „Verwaltungsakt ist jede Verfügung, Entscheidung oder andere hoheitliche Maßnahme, die eine Behörde zur Regelung eines Einzelfalls auf dem Gebiet des öffentlichen Rechts trifft und die auf unmittelbare Rechtswirkung nach außen gerichtet ist.“ Noch Fragen? Wenn ja, dann sollte Anschauungsunterricht bei „Amtsinspektor Ackermann“ zur endgültigen Klärung beitragen – keine Angst, er beißt nicht…

 


Amtsinspektor Ackermann - Armin Käthner

Infos unter - www.reinhard-staehling.de

Spieldauer - 70 min ohne Pause

Aufführungstermin - Samstag, 27. September um 20 Uhr